Arbeiter-Samariter-Bund


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Frankfurter Neue Presse (16.02.2009)

So helfen Herrchen ihrem Hund

Von Gernot Gottwals

Foto: Rainer RüfferOstend. So mancher Mensch wird nervös und gehemmt, wenn er sich bei einem Erste-Hilfe-Kurs zur Demonstration verarzten lassen soll. Gina macht das nichts aus. Die Boarder-Collie-Dame bleibt gelassen und hält ganz still, als sie sich von der Rettungsassistentin Fee Keil und dem Kursteilnehmer Udo Büttner ihre Pfote verbinden lässt. Zum Glück ist sie nicht kitzlig. «Wir haben ja alles für heute geübt. Gina ist von Natur aus sehr lieb, aber eben auch ein bisschen unruhig», erklärte ihr Frauchen Fee Keil.

Tatsächlich war der Kurs «Erste Hilfe am Hund» des Arbeiter-Samariter-Bundes auch für die Hündin die erste Bewährungsprobe. Denn erstmals bietet der ASB diesen Lehrgang für 45 Euro in Frankfurt an, weitere Termine sind für 4. April, 1. August und 24. Oktober angesetzt. Allerdings hatten die fünf Teilnehmer des ersten Lehrganges bereits Vorkenntnisse: Sie sind seit Jahren Hundehalter, arbeiten teilweise selbst als Sanitäter oder Verwaltungsangestellte beim ASB. Somit kannten sie bereits die Themen, die in den Kursen behandelt werden: Fiebermessen, Versorgung von Verletzungen, Behandlung von allergischen Schocks, Vermeidung von Hitzschlägen und weitere lebensrettende Maßnahmen. Fast so wie auch beim Menschen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Der Hund kann sich nicht entsprechend mitteilen, handelt sich auch in der Gefahr nach Gefühl und Instinkt. Was zu panikbedingten Reaktionen und sogar Aggressionen führen kann

«Ihren eigenen Hund kennen Sie. Sie können sein Verhalten eher einschätzen, ihn durch ihre vertraute Stimme beruhigen. Große Vorsicht ist aber im Umgang mit fremden Hunden geboten», betonte Frau Keil. Somit richtete sich der Kurs auch in erster Linie an Hundehalter, die ihre eigenen Lieblinge nach Unfällen oder beim Verdacht von Krankheiten als Ersthelfer versorgen müssen. «Was natürlich nicht den Tierarzt ersetzen kann. Zum Glück gibt es heute wenigstens in den städtischen Regionen eine flächendeckende Versorgung mit Tierkliniken und Tierrettungsdiensten.»

Doch auch der Ersthelfer sollte über Grundkenntnisse verfügen, wenn er seinen Hund behandelt. Was Fee Keil und Udo Büttner an Gina demonstrierten. Denn anders als beim Menschen reicht bei einem Hund ein Verband nicht aus, um ein verletztes Gelenk ruhigzustellen. «Hunde schwitzen sehr an den Pfoten. Wenn der Verband nicht mit Watte gepolstert wird, dringt Feuchtigkeit ein und das Tier scheuert sich wund.» Was Büttner auch mit seinem früheren Schäferhund passiert ist. «Leider hat der damalige Tierarzt eine Verletzung nicht fachgerecht versorgt. Zuhause mussten wir dann den Verband wechseln», erinnerte er sich. Sollte sich sein jetziger junger Rüde Nanuq einmal ähnlich verletzen, weiß er, worauf es ankommt.

Auch Nanuq war beim Einführungskurs mit von der Partie, um bei Bedarf eingesetzt zu werden. Schwierige Übungen demonstrierten die beiden Sanitäter des ASB dann aber doch mit einem Dummy: Ein Stoffhund aus Schweden, der ruhig auf seiner Decke lag und sich wirklich durch gar nichts irritieren ließ. «Auch hier ist es wie beim Menschen. Eine Herzdruckmassage demonstriert man schließlich auch besser mit einer Plastikpuppe», erläuterte Gunter Ruppert.

Häufig staunten die beiden Kursleiter, auf fast ihre Fragen fachgerechte Antworten zu bekommen. Kein Wunder: «Mein Grundwissen in der Ersten Hilfe konnte ich schon auf einigen Rettungsfahrten anwenden. Und unseren Hund haben wir auch schon seit ein paar Jahren», meinte Teilnehmerin Svenja Treutel. Viele der Informationen und Übungen seien für sie eine nachträgliche Bestätigung, dass sie im Not- oder Krankheitsfall mit ihrem Tier richtig umgegangen sei. Freilich braucht man auch für die Vermittlung von erster Hilfe für den Hund eine professionelle Ausbildung: Die Sanitäter müssen zunächst alle grundlegenden Kurse für die Unterweisung in Erster Hilfe am Menschen absolvieren, bevor sie sich für Haustiere weiterqualifizieren können. Und bald sollen auch medizinische Laien lernen, als Ersthelfer ihre Hunde richtig zu versorgen. Der ASB hat noch viel vor – und auch die Hündin Gina steht für weitere Kurse bereit.



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