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Frankfurter Neue Presse (04.02.2009) Sie sind als Sanitäter spitzeVon Benjamin Kilb
Sachsenhausen. Die elf Jahre alte Nigine schaute zwar ein wenig skeptisch, als ihr die beiden Schulsanitäter den Verband um das Handgelenk legten. Trotzdem war sie bei Fulya Bayar (18) und Steven Schindler (17) in guten Händen. Seit gestern bilden die beiden Zwölftklässler zusammen mit sieben anderen Schülern und zwei Lehrern den offiziellen Sanitätsdienst der Sachsenhäuser Schillerschule. Nach einer mehrwöchigen Ausbildung durch den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sind die Schüler und Lehrer nun in der Lage, sich im Ernstfall um die medizinische Erstversorgung von Verletzten zu kümmern. Schulleiterin Karin Hechler ist stolz: «Dies ist eine große Erleichterung für die Schillerschule. Es ist schön zu wissen, dass wir jetzt Schüler haben, die sich für die Erste Hilfe zuständig fühlen.»
Voraussetzung für die Ausbildung zum Ersthelfer war, dass die Schüler mindestens 14 Jahre sind. «Schließlich brauchen sie eine gewisse Reife, um die verantwortungsvolle Arbeit zu machen», sagt ASB-Mitarbeiter Andreas Geisel. Zusammen mit seinem Kollegen Patrick Spohn hat er die Schüler und Lehrer der Schillerschule seit August 2008 in Erste-Hilfe-Maßnahmen unterwiesen. Dass dabei auch die stabile Seitenlage und das Anlegen von Verbänden geübt wurde, versteht sich von selbst. Weniger selbstverständlich ist hingegen, dass sich die Schulsanis nun auch um das psychische Wohl der kleinen und großen Patienten kümmern können.
Die neun Schüler dürfen sich zwar erst seit gestern – seit Erhalt der Ausbildungsurkunde – offiziell «Schulsanitäter» nennen. Sie haben aber schon während des Lehrgangs mittelschwere Leiden behandelt. «Bislang kamen die Schüler meist mit Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen oder Übelkeit zu uns», sagt Steven Schindler, der sich für die Ausbildung entschied, «weil es immer gut ist, Menschen helfen zu können.» Einmal mussten sich die Schulsanitäter sogar mit einem Beinbruch auseinandersetzen. In solchen Fällen ist der Sanitätsdienst der Schillerschule jedoch angehalten, per Handy den ASB zu verständigen.
Der Bund hat der Schule zwei Mobiltelefone zur Verfügung gestellt, mit denen das Sekretariat im Notfall die Sanitäter herbeirufen kann. Außerdem sponserte der ASB einen Erste-Hilfe-Koffer, in dem sich – natürlich – Verbandszeug, Pflaster und Gummihandschuhe befinden. Wenn sie mit schweren Verletzungen konfrontiert sind, können die Schulsanis die chirurgische Praxis von Jochen Krauß aufsuchen, die ganz in der Nähe ist.
Die Schulsanitäter müssten dafür sorgen, dass die Rettungskette funktioniere, sagt Andreas Geisel. Um leichte Verletzungen könnten sie sich selbst kümmern, bei schweren hätten sie natürlich den Notarzt zu verständigen.
Die Ausbildung bestand aus einem zwölfstündigen Kurs zur medizinischen Erstversorgung und einem Schulsanitätskurs, der über 30 Stunden dauerte. Darin erwarben die Teilnehmer zusätzliche Kenntnisse, etwa über die Behandlung von Hitzschlägen und Sonnenstichen. Die Schüler erlernten auch die Zwei-Helfer-Methode zur Herz-Lungen-Wiederbelebung – in der Hoffnung, dass sie die Methode nie anwenden müssen.
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